Referendum gegen den Richtplan
13. Mai 2026 – Gigantische Sandkastenplanung vernachlässigt öffentlichen Verkehr
Die Mitte Winterthur unterstützt das Referendum gegen den Richtplan. Dieser stellt eine überdimensionierte und widersprüchliche Planung mit ungeahnter Kostenfolge, Verzögerungen und absehbar erfolglosen Folgeplanungen dar. Er gaukelt dem Volk im Bereich Umwelt und Verkehr unrealistische Ziele und Versprechungen vor, die ohne gezielte Investitionen nie erreicht werden können. So sollen in den nächsten 15 Jahren 35’000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, gleichzeitig soll der MIV (motorisierter Individualverkehr, Autoverkehr) halbiert werden. Schon bei einem Wachstum von 10’000 Arbeitsplätzen setzt allein die Stabilisierung des MIV einen massiven Ausbau des wettersicheren öffentlichen Verkehrs voraus, geschweige denn eine Reduktion oder gar eine Halbierung des MIV.
Das Departement Bau und Mobilität vermied Berechnungen, wie und wo Arbeitsplätze welche Verkehrsbewegungen auslösen. Arbeitsplätze an der Peripherie (Stadtrand) generieren überall einen höheren Anteil MIV am Gesamtverkehr. Eine Strategie der Verkehrsvermeidung durch eine massive Verdichtung in Fussdistanz zu den öV-Knoten zugunsten von neuen Arbeitsplätzen findet sich im Richtplan nur in bescheidenem Masse. Dafür soll Winterthur vor allem in Neuhegi und in Dättnau-Töss wachsen, wo eine umweltfreundliche Erschliessung noch in den Wolken steht.
Der Richtplan zeigt nicht einmal ansatzweise auf, wie der ÖV massiv ausgebaut werden müsste, um den MIV zu reduzieren. Es müsste beispielsweise jetzt schon klar sein, wo mehr Bushaltekanten und Linienergänzungen geschaffen werden könnten. Erhebliche Verbesserungen im Raum HB Winterthur sollen aber erst in 20 Jahren erfolgen. Dabei sind die Zustände im und um den HB bereits heute unzumutbar.
Der Richtplan setzt bei der Vermeidung von Verkehr auf die 5 -Min-Stadt, als ob die Stadt bestimmen könnte, wo wer wohnt und arbeitet und welches KMU sich wo niederlässt. Eine Stadt der Durchmischung von Funktionen ist zwar erstrebenswert. Sie ist aber nur in grösseren Neubaugebieten möglich und löst den Widerspruch zwischen mehr Arbeitsplätzen und der Vermeidung von MIV nicht.
Die Mitte erwartet von einem Richtplan deshalb folgende Massnahmen:
- realistische Wachstumsprognosen beim öV
- Angebotsplanung mit mind. 40% mehr Kapazität für den öV vor jeder Testplanung
- unverzügliche Planung von mind. 30% mehr Bushaltekanten auch auf dem Arch-/Vogelsangareal
- Kopfbahnhof Vogelsang gleichzeitig mit Brüttenertunnel mit Halbtangente Bus
- Abfangen des motorisierten Zupendlerverkehrs an der Stadtgrenze u.a. durch P+R
- Bevorzugung des Wirtschaftsverkehrs u.a. vor Ampeln, bei Dosieranlagen, auf Busstreifen
- unverzüglich mehr Fahrplansicherheit beim Bus u.a. durch bessere Busbevorzugung
- keine Fussgängerteppiche auf Buslinien
- Öffnung aller Zonen auch für das Wohnen mit einem Anteil günstiger Wohnungen
- nahe regionale Versorgungswege durch Wahrung städtischer Landwirtschaftszonen
